Geschichte

Der Ort
Mitten im südweststeirischen Hügelland liegt auf sanfter Anhöhe über dem Laßnitztal der Markt Preding. Verkehrsgünstig am Kreuzungspunkt der von Graz Richtung Süden und der vom Murtal bei Wildon nach Westen führenden Straßen gelegen, konnte sich hier bereits im Mittelalter als wirtschaftliches Zentrum für das agrarische Umland eine gewerblich-märktische Ansiedlung entwickeln. Erstmals schriftlich nachweisbar ist der Ortsname Preding in einer am 14. März 1202 ausgestellten Urkunde.
Die Siedlung stand ursprünglich im Schutze eines im späten 11. oder frühen 12. Jahrhundert erbauten Wehrbaues. Dieser befand sich an dem Platz, wo sich heute die Pfarrkirche erhebt. Bewohnt wurde diese Burg vom kleinadeligen Rittergeschlecht der „Predinger“. Nur wenige Urkunden berichten über sie, für 1219 z. B. läßt sich ein Walchun von Preding nachweisen. Ebenso wie die Predinger selbst verschwindet deren Burg im 13. Jahrhundert im Dunkel der Geschichte. Vermutlich bereits am Ende des 12. Jahrhunderts war unweit von Preding in Tobis eine neue Wehranlage, die Burg Hornegg, errichtet worden. Deren Erbauer und ersten Besitzer, die Horn-egger, übernahmen auch die Schutzfunktion für das umliegende offene Land. Als erster dieses Geschlechtes ist um 1230 Chunrat von Hornegg nachweisbar. Die Hornegger und ab 1373 die Freiherren von Saurau als deren Besitznachfolger spielen für die Geschichte von Preding eine hervorragende Rolle. Ihrem Einfluß und Bemühen ist es zuzuschreiben, daß der Ort 1462 von Kaiser Friedrich III. zum Markt erhoben worden ist.
Die Pfarre Preding
Preding und sein Umland gehörten ursprünglich zur Pfarre Hengsberg. Wann sich die „Tochterpfarre“ Preding von der „Mutterpfarre“ Hengsberg loslöste und verselbständigte, läßt sich mit keiner Urkunde zeitgenau bestimmen. Wie anderswo dürfte auch die Verselbständigung der Pfarre Preding ein längerfristiger Prozeß gewesen sein. Im landesfürstlichen Gesamturbar der Steiermark aus den Jahren 1265/67 werden u. a. die Orte „maior und minor Predinge“ (Groß- und Kleinpreding) noch zur Pfarre Hengsberg gehörig angeführt. In einem kirchlichen Abgabenverzeichnis, dem „subsidium caritativum“ aus dem Jahr 1355 wird erstmals ein selbständiger Pfarrsprengel Preding ausgewiesen. Es kann also festgestellt werden, daß sich die Pfarre Preding irgendwann in den neunzig Jahren zwischen 1265 und 1355 verselbständigt hat, eine genauere zeitliche Einordnung ist nicht möglich.
Hengsberg hatte Preding zwar aus seinem Pfarrgebiet entlassen, dem Pfarrer von Hengsberg blieben jedoch weiterhin einige Vorrechte. Er nannte sich „Hauptpfarrer“, den Pfarrer von Preding betrachtete er als seinen „Vikar“. Das Patronatsrecht z. B. beinhaltete das Vorschlags- und Präsentationsrecht bei jeder Neubestellung eines Pfarrers in Preding. Das Vogtrecht über Pfarre und Kirche Preding hatten die Herren von Hornegg inne. Sie waren die Betreiber der Verselbständigung der Pfarre Preding. Um dies zu erreichen, statteten sie die Pfarre mit ausreichend Grund und Boden aus, sodaß der Pfarrer von den Erträgnissen standesgemäß leben konnte.
Die Pfarrgrenzen von Preding änderten sich im Laufe der Geschichte mehrmals. Um 1445 gab es in der Pfarre 136 bewohnte Häuser. Das da-malige Pfarrgebiet umfaßte lediglich den Markt, Kleinpreding, Pöls und Petzendorf. 1770 wohnten rund 2.700 Menschen im Pfarrsprengel, zu dem nun die Ortschaften und Gemeinden Pöls, Wuschan, Petzendorf, Tobis, Kleinpreding, Preding, Tobisegg, Oisnitz und Wetzelsdorf gehörten. 1786 wurde noch Wieselsdorf, das zuvor zu Groß St. Florian gehörte, ebenfalls nach Preding eingepfarrt, die Seelenzahl stieg dadurch auf über 3.000 an. Umgekehrt wurden Petzendorf, Oisnitz, Tobisegg und Wetzelsdorfberg 1852 bzw. 1862, zuletzt 1966 nach St. Josef und Dobl umgepfarrt. Heute sind in der Pfarre Preding knapp 2.100 Menschen beheimatet.
Das Patrozinium „Maria in Dorn“
Im Zuge der sozialen und wirtschaftlichen Umwälzungen des Spätmittelalters hatten die Burgherren von Preding ihren adeligen Status verloren und ihren ritterlichen Wohnsitz aufgeben müssen. Die Wehranlagen in Preding verfielen, lediglich die der Gottesmutter Maria geweihte Burgkapelle dürfte als Andachtsstätte für die Bewohner von Preding den Zeitenwandel überdauert haben. Sie ist schließlich von den Herren von Hornegg unter Mithilfe der Bevölkerung zu einer Kirche ausgebaut worden. Keine Urkunde berichtet davon, doch auf eine solche Entwicklung deutet das Kirchenpatrozinium „Maria in Dorn“ hin. Der barocke Volksglaube hat dieses Patrozinium legendenhaft ausgeschmückt und damit seine ursprüngliche Bedeutung überdeckt. Noch in Schriftstücken des 17. Jahrhunderts heißt es „Maria im Thurn“, also „Maria im Turm“. Man wußte damals also noch, daß sich der Ursprung des inzwischen zur Pfarrkirche ausgebauten Gotteshauses in einer kleinen Kapelle in der längst verschwundenen Burg zu suchen war.
Als 1532 das türkische Hauptheer nach einem mißglückten Vorstoß gegen Wien seinen Rückmarsch durch die Steiermark wählte, wurde Preding wie viele andere Orte auch geplündert, die Kirche niedergebrannt und geschändet. Die Legende berichtet, daß dabei die Muttergottesstatue vom Altar gerissen und nach der Entwendung ihres wertvollen Schmuckes achtlos weggeworfen worden sei. Nach dem Abzug der Türken machten sich die Bewohner von Preding auf die Suche nach dem verschwundenen Kultgegenstand. Sie fanden die Statue in Dornengestrüpp, daneben lag der tote Türke, der die Freveltat begangen hatte. An diesem Ort bauten nun die Predinger ihre neue Kirche zu Ehren von „Maria in Dorn“.
Die barocke Volksfrömmigkeit war sehr empfänglich für derartige Erzählungen. Sie wurden auch gezielt verbreitet, denn damit glaubte man die Opferbereitschaft der Bevölkerung für die Türkenabwehr aufrechterhalten zu können. In der Barockzeit blühte auch das Wallfahrtswesen. Es gab kaum eine Marienkirche, in der nicht ein durch besondere Ereignisse und Wunder ausgezeichnetes Marienbild verehrt wurde. Auch in Preding gab es Bemühungen in diese Richtung, der Wallfahrerzuzug blieb hier aber doch eher kleinräumig auf die Nachbarpfarren beschränkt. Immerhin wird 1691 aber berichtet, daß die Kirche für die aus den benachbarten Pfarren nach Preding kommenden Wallfahrer viel zu klein sei.
Lange Zeit wurde das Patroziniumsfest von „Maria in Dorn“ zu Mariä Geburt am 8. September gefeiert, seit 1950 aber am 12. September zu Mariä Namen.
Baugeschichte
Gotische Bauepoche
Keine historische Quelle des Mittelalters gibt Nachricht über die Baugeschichte, kein Kupferstich und kein Ölgemälde gibt Kunde vom Aussehen der Kirche. So ist man in der Rekonstruktion des Geschehens auf allgemein bekannte und gültige Entwicklungslinien und Hypothesen angewiesen.
Es wurde oben bereits dargelegt, daß der Ursprung der Kirche in einer im 12. Jahrhundert entstandenen, die Zeiten überdauernden Burgkapelle zu suchen ist. Der Standort dieser Kapelle war identisch mit dem der heutigen Kirche. Aus der ritterlichen Privatkapelle wurde spätestens mit der Pfarrwerdung von Preding im ausgehenden 13. oder im frühen 14. Jahrhundert eine Pfarrkirche. Eine Vergrößerung der Kirche in dieser Zeit ist anzunehmen. Reste aus dieser Bauepoche, stilistisch um 1300 zu datieren, sind noch erhalten, nämlich über dem Westportal ein Steinrelief, eine Kreuzigung mit Assistenzfiguren darstellend, sowie am Chorschluß außen ebenfalls ein Steinrelief einer thronenden Maria mit Kind, flankiert vom hl. Dionysius und einer weiblichen Heiligen. Die heutigen Standorte dieser Reliefs sind jedoch nicht ursprünglich.
Im 15. Jahrhundert erlebte das Dorf Preding ganz offensichtlich einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung, der in der Markterhebung 1462 deutlich zum Ausdruck kommt. In diese Zeit fällt wohl auch der Ausbau des Gotteshauses zu einer typischen gotischen Kirche. Die Größe dieser Kirche muß zumindest in der Länge bereits den heutigen Ausmaßen entsprochen haben, denn es muß bereits damals eine bauliche Verbindung zwischen dem heute noch sichtbaren gotischen Chor im Osten und dem im Kern ebenfalls gotischen Kirchturm im Westen gegeben haben. 1532 wurde diese Kirche durch türkische Soldaten verwüstet. Über den tatsächlichen Umfang der Zerstörungen liegen keine Nachrichten vor. Was zerstört war, wurde wiederhergestellt, eine wesentliche Veränderung oder Verbesserung der Bausubstanz ist dabei jedoch nicht anzunehmen.
Barocker Kirchenbau
Die nächste, für das heutige Erscheinungsbild der Kirche entscheidende Bauphase fällt in das späte 17. Jahrhundert. In einem 1691 verfaßten Visitationsbericht wird das Gotteshaus als „misera, angulosa, ruinosa“ („armselig, eng, baufällig“) beschrieben. Im April 1695 richtete der Predinger Pfarrer Matthias Heißl ein Gesuch an den Seckauer Bischof um Erlaubnis zum Neubau der Kirche. Er berichtet, daß der Kontrakt mit dem (namentlich leider nicht genannten) Baumeister bereits abgeschlossen sei. Das Abbruchmaterial soll von den Pfarrbewohnern weggeschafft werden, die für den Neubau erforderlichen Baumaterialien seien vorhanden, die Finanzierung sei gesichert. Am 2. Mai 1695 erteilte der Seckauer Bischof Rudolf Josef Graf Thun die Baubewilligung. Die Bautätigkeit in den Jahren bis 1699 betraf vor allem das Langhaus, das wesentlich verbreitert und erhöht und im Westen mit einer Musikempore mit geschwungener Brüstung versehen wurde. Als möglicher Baumeister wird in der kunsthistorischen Literatur Jakob Schmerlaib genannt, anhand von überlieferten Archivalien läßt sich diese Annahme nicht bestätigen. Die Bau- und Adaptierungsarbeiten zogen sich schließlich noch mehrere Jahre hin, sodaß die Kirchweihe erst am 10. August 1713 vom Seckauer Bischof Josef Dominicus Graf von Lamberg vorgenommen werden konnte.
Finanziert wurde der Neubau aus Ersparnissen der Kirchenkasse, einer Erbschaft in Höhe von 1.800 Gulden des 1698 verstorbenen Pfarrers Heißl und aus Spenden der Pfarrbevölkerung. Die ebenfalls geplante Erhöhung des Kirchturmes und die Neuausstattung der Kirche scheiterten 1704 zunächst am Widerstand des Propstes von Stainz, der seit 1640 als Besitzer der Herrschaft Hornegg Vogt der Pfarrkirche von Preding war. Der Propst hatte die Kirchenkasse von Preding gewaltsam aufbrechen lassen, 600 Gulden entnommen und dieses Geld seinem Stift Stainz als Darlehen gegeben. Erst 1728 war wieder ausreichend Geld vorhanden, um die Aufstockung des Kirchturmes durchführen zu können. Dies war notwendig, weil das Dach des neuen barocken Kirchengebäudes den alten gotischen Kirchturm überragte. Diese Erhöhung des Kirchturmes wurde 1728 bewerkstelligt, das Turmdach, bisher aus Ziegel bestehend, wurde nun mit Blech gedeckt. Die Gesamthöhe des Turmes beträgt seither rund 45 m.
1740 wurden die beiden Stiegenaufgänge zum Kirchhof erbaut und im folgenden Jahr 1741 die vier Statuen – Jesus und Maria bzw. Anna und Joachim – aufgestellt. Im Jahr 1743 wurde schließlich auch das Presbyterium der Höhe und dem Stil des barocken Kirchengebäudes angepaßt. Das gotische Gewölbe wurde abgebrochen, die Mauern erhöht und mit einem Platzlgewölbe versehen. Die gotischen Fenster wurden zugemauert und neue „formblichere“ Fenster ausgebrochen. 1745 ließen die Grafen von Dietrichstein, von 1730 bis 1752 Besitzer von Schloß Pöls, unter der Sakristei eine Familiengruft erbauen, die bis 1901 von der Gangmitte im Bereich des früheren Kommuniongitters aus zugänglich war. 1752 verließen die Dietrichstein wieder Pöls, weshalb nur ein Familienmitglied, ein Student sowie zwei Predinger Pfarrer hier bestattet wurden.
1747 wird der Hochaltar als „alt und baufällig“, der Tabernakel als „wurmstichig“ beschrieben. Wiederum sprach sich der Kirchenvogt, der Propst von Stainz, zunächst gegen die Aufstellung von neuen Altären aus. Erst nach zähem Ringen konnten sich die Predinger durchsetzen. In einem Visitationsbericht von 1750 wird der Hochaltar „B. V. M. in spinis“ („Maria in Dorn“) als neu bezeichnet, die Altarweihe wurde allerdings erst 1765 vorgenommen, in welchem Jahr auch die neue Kanzel aufgestellt wurde. Sie kostete 300 Gulden. Damit war der barocke Umbau nach rund 70jähriger Bauzeit abgeschlossen. In einem Visitationsbericht aus dem Jahr 1758 wird die Kirche als gut gebaut beschrieben. Es gab außer dem Hochaltar noch zwei Seitenaltäre, den Rosenkranz- und den Josefialtar; das Taufbecken stand links vom massiven Eingang in einer dunklen Ecke, der Fußboden war mit quadratischen Marmorplatten belegt. Die Fenster waren mit durchscheinenden Glasscheiben versehen. Im massiven Kirchturm hingen drei Glocken. Um die Kirche herum befand sich der Friedhof mit einer neuerbauten Kapelle, die dem hl. Michael geweiht war (Karner), die Kirchhofmauer und die Eingänge werden als massiv gebaut beschrieben.
19. und 20. Jahrhundert
Die nächste größere bauliche Veränderung erfuhr die Kirche erst wieder 1828–1830. Eine „alte, eingestellte Sakristei“ wurde vergrößert und zur Annakapelle ausgebaut. Das darüberliegende Oratorium wurde durch eine an der Nordseite an die Kirche angebaute Stiege zugänglich gemacht. Eine unter dieser alten Sakristei befindliche Gruft wurde zugeschüttet. Am 26. Juli 1832 wurden die Annakapelle und der Altar durch den Dechant von Wildon benediziert. 1893 schließlich wurde der Altar in der Kapelle durch einen neuen von JAKOB GSCHIEL ersetzt. 1893/94 wurde die Kirche innen und außen restauriert, der Hochaltar neu vergoldet, die Kreuzwegbilder erneuert, die bunten Glasfenster, von einzelnen Stiftern finanziert, eingesetzt. Im Jahr 1912 wurde die Beleuchtung der Kirche elektrifiziert. Die letzte umfassende Innen- und Außenrenovierung erfuhr die Kirche 1983 (mit Vorarbeiten ab 1979 und Nacharbeiten bis 1986).